Was kann Yoga, was Psychologie nicht kann?

Yogapsychologie, Yogaberatung, Psychologische Yogatherapie… Wie auch immer wir es nennen wollen, diese beide Disziplinen freunden sich mehr an.

Als Psychotherapeutin und Yogapraktizierende/-Lehrende freut mich diese Annäherung ungemein. In einer Welt in der alles näher zusammenrückt und sogar die Grippeviren sich nicht mehr an Landesgrenzen halten, ist es nicht mehr als natürlich, dass wir uns (wie eh und je) weiterentwickeln, Synergien schaffen und voneinander lernen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten die Schwesternschaft von Yoga und Psychologie zu beleuchten.

Hier mal ein Anfang:



Warum fusionieren die beiden vor allem in der heutigen Gesellschaft?

Lange Zeit hat Psychotherapie den Priester ersetzt. Religion oder Spiritualität wurden entweder als verstaubt und unwirtschaftlich oder aber als esoterischer Hokuspokus abgetan.

Die Psychologie (nachdem sie der Philosophie entrissen und den Wissenschaften zugeordnet wurde) kam hier zur rechten Zeit. Leiden, das zum menschlichen Leben dazugehört, darf erzählt werden. Es ist längst wissenschaftlich belegt (z.B. Grawe, 1994) das allein das wohlwollende Zuhören der Therapeutin, genauer gesagt die Beziehung zwischen den beiden Menschen, wesentlich zum Therapieerfolg beiträgt. Es ist ein menschliches Grundbedürfnis in Beziehung zu treten, dazu zu gehören, denn schliesslich war es vor tausenden von Jahren ziemlich bedrohlich einem Säbelzahntiger alleine zu begegnen.


Hier kommt der Yoga ins Spiel. Yoga kommt vom Wort „yug“. Es kann als „zusammen spannen“, „einen“ übersetzt werden. In der Psychotherapie dient die Beziehung im aussen (zwischen Therapeut und Klient) unter anderem dazu die Beziehung nach innen zu nähren. Im Yoga zielen wir sehr direkt die Beziehung zu uns selbst an. Und: wir scheuen uns nicht die Komponente des Göttlichen/Höheren Selbst/Wie-auch-immer-man-es nennen-mag, anzusprechen. Beziehungs-weise, idealerweise erfahrbar zu machen. Somit gibt es im Yoga nicht nur die Beziehung zum Aussen und zum Innen, sondern noch zu etwas Drittem (ob das nun innen oder aussen weilt, ist Ansichtssache).


Yoga bietet uns einen Jahrtausende-alten Weg, den Körper gesund zu halten und ihm vertrauen zu lernen. Dabei unterstützt Yoga auch Empfindungen und Emotionen im Körper wahrzunehmen, zu akzeptieren und allenfalls zu transformieren.

Meditation (auch das gehört zum Yoga) lehrt uns im Hier und Jetzt zu bleiben und uns selbst zu beobachten. Dabei realisieren wir früher oder später, dass alle Emotionen und Gedanken kommen und gehen. Eine Erfahrung, die einem/einer Angst-Betroffenen ein wahrliches Aha-Erlebnis verschaffen kann.


Die Erkenntnis aus der Psychosomatik, dass das Nervensystem eine zentrale Rolle in der Verarbeitung unserer Gefühle spielt, wird sowohl im Yoga als auch in der Psychologie relevant. Auch hier konnte mit Hilfe von Studien (z.B. Streeter et al., 2012) nachgewiesen werden, dass Yoga höchsteffizient ist um den Parasympathikus zu aktivieren. Es ist der Teil des Nervensystems, der uns hilft uns zu beruhigen, zu entspannen, zu verdauen. Die Technik aus dem Yoga, der Beweis aus der Psychosomatik.


Dank der Psychotherapie(-forschung) haben wir ein besseres Verständnis und zusätzliche Methoden, um zu verstehen was zum Beispiel passiert, wenn wir einfach nicht entspannen können. Wir liegen am Ende der Yogastunde in Shavasana und die Lehrerin sagt: „Lass einfach los!“. Und wir haben keine Ahnung wie das gehen soll… glauben vielleicht, dass mit uns etwas falsch ist und verkrampfen uns nur noch mehr. Die Psychologin weiss, dass man vielleicht ein Trauma erlitten hat und in einem Raum mit zwanzig anderen gar nicht genug Sicherheitsgefühl aufkommen kann, um zu entspannen. Da kann man beobachten so viel man will…


Wie geht's weiter?

Was genau in solchen Situationen passiert und wie hier Techniken der Psychologische Yogatherapie helfen können, beim nächsten Mal…




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